Bewertung der medikamentösen Therapie

Bewertung der medikamentösen Therapie

Wie bewertet Herr Prof. Dr. med. Jochen Schopohl, München, die medikamentöse Therapie?

Die Therapie mit Medikamenten – Was ist möglich?

Zu diesem für viele Patienten wichtigen Thema wurde ein Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Jochen Schopohl, München, geführt.

In welchen Situationen kann die Behandlung mit Medikamenten für den Patienten hilfreich sein?

Prof. Schopohl: Die Behandlung mit Medikamenten kann in verschiedenen Phasen von Erkrankung und Therapie hilfreich sein. Vor der Operation, um erst einmal den erhöhten Wachstums­hormonspiegel zu senken und das Allgemeinbefinden zu verbessern. Oder nach einer eventuellen Strahlentherapie, um die Zeit zu überbrücken, bis das Tumorgewebe vollständig zerstört ist. Eine wichtige Rolle spielt die Behandlung mit Medikamenten jedoch auch bei Tumoren, die nicht vollständig entfernt werden können. Wenn also noch Gewebe verbleibt, das zu viel Wachstumshormon ausschüttet.
Es stehen verschiedene medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: Dopamin-Agonisten, Somatostatin-Analoga oder GH-Rezeptorantagonisten, die einzeln oder kombiniert eingesetzt werden können. So gelingt es in fast allen Fällen, eine Kontrolle der Wachstums­hormonwerte zu erreichen.

Welche Medikamente stehen bei der Behandlung an erster Stelle?

Prof. Schopohl: Therapie der ersten Wahl im Rahmen der medikamentösen Behandlung sind die Somatostatin-Analoga, die sich bereits seit vielen Jahren bewährt haben. Sie sind dem natürlichen, körpereigenen Somatostatin sehr ähnlich. Somatostatin ist ein Hormon, das in zahlreichen Stoffwechselbereichen eine Rolle spielt. Es wird vor allem von der Bauchspeicheldrüse und vom Hypothalamus ausgeschüttet. Der Name Somatostatin leitet sich aus seiner Wirkung als Gegenspieler des Wachstumshormons (Somatotropin) ab und so erklärt sich auch die Wirkweise der Somatostatin-Analoga. Sie hemmen die Produktion des Wachstumshormons im Tumorgewebe, wodurch der Wachstumshormonspiegel bei der Mehrheit der Patienten erfolgreich gesenkt wird. Somatostatin-Analoga bewirken eine deutliche und schnelle Rückbildung der Veränderungen und Beschwerden der Akromegalie. Die eventuellen Nebenwirkungen der Behandlung, wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall, klingen in der Regel nach drei bis fünf Tagen ab. Es sollte regelmäßig der Blutzuckerwert und bei langjähriger Behandlung auch das Vitamin B12 bestimmt werden. Da manche Patienten Gallensteine entwickeln können, sollte außerdem regelmäßig eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums vorgenommen werden.
Heute werden vor allem Somatostatin-Analoga in Depotform, also mit Langzeitwirkung eingesetzt, die alle 28 bis 56 Tage gespritzt werden. Die Wirksubstanz ist so aufbereitet, dass sie nach der Injektion nur allmählich freigesetzt wird. Dadurch kann ein ausreichender Wirkspiegel über längere Zeit erreicht werden. Das ist natürlich eine deutliche Erleichterung, denn man muss das Medikament nicht täglich spritzen. Somatostatin-Analoga führen nicht nur zu einer Senkung der Wachstums­hormonspiegel, sondern es ist auch eine Wirkung auf den Tumor bzw. das eventuelle Restgewebe möglich. Wir beobachten nach mehrmonatiger Therapie oft eine deutliche Verkleinerung des Tumors.

Welche Arten von Medikamenten gibt es noch?

Prof. Schopohl: Wird mit den Somatostatin-Analoga keine ausreichende Senkung des Wachstumshormonspiegels erreicht, können Wachstumshormon-Antagonisten, GH-Antagonisten genannt, eingesetzt werden. Sie blockieren die Wirkung des Wachstumshormons im Gewebe, indem sie dessen Andockstelle (Rezeptor) besetzen. Sie sind sehr wirksam, die Behandlung kann jedoch sehr selten mit einer Vergrößerung des Tumors einhergehen, sodass eine entsprechende Überwachung erforderlich ist. Auf einen eventuellen Anstieg der Leberenzyme sollte geachtet werden.
Darüber hinaus gibt es noch die Dopamin-Agonisten. Die Behandlung mit Dopamin-Agonisten ist heute jedoch nicht mehr die medikamentöse Therapie der ersten Wahl, obwohl sie als Tabletten eingenommen werden können und nicht gespritzt werden. Wenn die Wachstumshormonspiegel oder IGF-1 nur leicht erhöht sind, kann ihr Einsatz ausreichend sein, sie führen jedoch nur bei ca. 30 bis 40 Prozent der Patienten zu einem Abfall des IGF-1 und bei ca. 15 bis 20 Prozent zu einer Normalisierung der Werte.

Vielen Dank, Herr Professor Schopohl, dass Sie sich Zeit für das Interview genommen haben!

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